November 17, 2017

Status und Erfolgsfaktoren der EMS-Branche

Gibt es ein Erfolgsrezept im EMS-Geschäft? Wo steht die hiesige EMS-Branche und woran arbeitet sie? Der alle zwei Jahre im Rahmen des E²MS-Award erstellte Statusbericht gibt auf diese Fragen Antwort.

Fertigungskompetenz und ein Maschinenpark reichen im EMS-Geschäft schon lange nicht mehr aus, um sich erfolgreich im Markt zu behaupten. Zunehmend wichtig sind Prozesstechnik und –führung sowie Logistik und Organisation, die es in ihrer Komplexität zu beherrschen gilt. Diese Aussage stützt der Statusbericht der Jury des E²MS-Award, der mit jeder Preisvergabe im 2-Jahres-Rhythmus erstellt wird.

Schon im Zusammenhang mit dem E²MS-AWARD 2011 war erkennbar, wie die EMS-Firmen passend zum Geschäftsmodell ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterentwickelt haben durch die Ausrichtung auf Applikationen oder Einzelmärkte.

Gleichzeitig wurden neue Fähigkeiten entwickelt wodurch es gelungen ist, attraktive Nischen zu besetzen. Die neuen Fähigkeiten ergänzen nicht immer das traditionelle EMS-Geschäft, sondern sind eine eigenständige Erweiterung ohne unmittelbaren Bezug zu einer Bestückungsdienstleistung. Die Folge ist eine Differenzierung der Unternehmen. Dieser Prozess hat sich fortgesetzt.

Die Branche ist reifer und proaktiver

Die Entwicklung der EMS-Firmen lässt zwei Dinge deutlich erkennen:

Erstens:  Die Unternehmen haben ihre Kompetenzen gezielt weiterentwickelt. Teilweise wurden damit neue Nischen und Geschäftsfelder erschlossen. Zunehmend gelingt es den Firmen über diesen Weg für ihre Kunden als Problemlöser wahrgenommen zu werden.

Zweitens: Der reaktive Arbeitsmodus geht zurück und weicht immer deutlicher einem Modus der voraus schaut. Im Vordergrund steht nehmend die Frage „was wird morgen sein und wie können wir diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen?“. Das führt zu völlig neuen Erkenntnissen und solchen, auf die es wirklich ankommt.

Die Ergebnisse des E²MS-AWARD 2013 zeigen: die Branche ist auf dem richtigen Weg. Allerdings wird es für die Unternehmen in Zukunft nicht einfacher, sondern vielfältiger und auch anspruchsvoller als in der Vergangenheit.

 

Portfolio gezielt erweitert und Nischen besetzt

Die EMS-Firmen bemühen sich intensiv, gezielt ihr Portfolio zu erweitern und diese Kompetenzen im Markt anzubieten. Konkret sind das

* Erweiterte Kompetenzen entlang der Lieferkette: Das Einbinden der Kunden und Lieferanten, sichert die Lieferfähigkeit ab. Gleichzeitig werden die dem SCM (Supply Chain Management) eigenen wirtschaftlichen Risiken auf alle Schultern verteilt und durch Vereinbarungen abgesichert. Dazu gehören auch Prozessfähigkeiten, um den Kunden des Kunden reibungslos und direkt zu beliefern sowie die Entkopplung von bestimmten Abschnitten der Lieferkette durch Pufferbestände z.B. Halbfabrikate oder Fertigwaren, um Lieferzeiten zu verringern.

* Erweiterte Kompetenzen entlang dem Produkt-Lebenszyklus durch frühzeitige Informationen zu Abkündigungen von Bauelementen (Obsolescence Management) und geeignete Ersatz-Maßnahmen.

* Erweiterte Kompetenzen im Prozess- und Ablaufmanagement wie „Lean Manufacturing“; CONWIP (Constant Work in Process )als Steuerungsprinzip; effektiver Einsatz von IT-basierenden Systemen z.B. RFID und eigene Automatisierungskonzepte.

* Erweiterte Kompetenzen in der Qualitäts- und Prozesssicherung mit Traceability und Einrichtungen zur tiefergehenden Fehler-Ursachen-Analyse. Vorteil: Die konsequente Umsetzung von Null-Fehler-Strategien und Traceability erschließt weiteres Ertragspotenzial.

* Zusätzliche Kompetenzen im Portfolio wie die Industrialisierung von Kundenprodukten, wobei serienreife Subsysteme und Produkte zur Verfügung stehen oder das Projektmanagement von umfangreichen, firmenübergreifenden Projekten im Auftrag des Kunden oder Entwicklungsdienstleistungen.

 

Modulbaukasten als intelligente Vorleistung

Zugenommen hat die Zahl von erweiterten und intelligenten Vorleistungen in Halbfertigprodukte. Mit diesen Modulbaukästen lassen sich schnell und mit geringem Aufwand Kundenlösungen erstellen, wodurch die Wertschöpfung gesteigert wird.

Kennzahlensysteme, Zielvereinbarungen, Zertifizierungen, Lieferantenmanagement sowie web-basierte, interne Informationsverbreitung sind durchgängig vorhanden und werden laufend weiter ausgebaut. Deutlich zugenommen hat die IT-Unterstützung aller Geschäftsprozesse – auch die IT-technische Vernetzung mit Lieferanten und Kunden.

Reagierte die Branche in der Vergangenheit auf ihre Kunden, so handelt sie heute viel vorausschauender. Nicht mehr die Frage „was war gestern und was hätten wir besser machen können?“ steht im Vordergrund, sondern „was wird morgen sein und wie können wir diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen?“. Dieses Herangehen führt zu völlig neuen Erkenntnissen.

EMS-Anbieter ist wertvoller Partner für NPI

Zunehmend gelingt es den Firmen als „Problemlöser“ von den OEM nachgefragt und eingesetzt zu werden. Ein Beispiel ist die Industrialisierung – die Überführung des Prototypen in die Serienfertigung der NPI-Prozess (NPI: New Product Introduction). Viele EMS-Anbieter haben sich als wertvolle Partner in der Produkteinführungsphase etabliert und bewährt. Mit fortschreitender Zeit steigen die Kosten für notwendige Designänderungen.

Im NPI-Prozess wird mit Design vor Exzellenz-Maßnahmen ein über den gesamten Produktlebenszyklus kostenoptimierter Prototyp entwickelt, der sich zügig und nahtlos in die Serienfertigung überführen lässt und einen schnellen Markteintritt ermöglicht. Das spart Zeit, Geld und erhöht die Qualität der Produkte.

Im Entwicklungsprozess werden bereits 80 % der späteren Kosten eines Produktes festgelegt. Obwohl sich die Entwicklung in der Prototypenphase auf die Funktion des Produktes konzentriert, werden zu diesem Zeitpunkt weitreichende Entscheidungen getroffen, welche die späteren Fertigungskosten enorm beeinflussen können. So wird in dieser Phase das Layout der Leiterplatte, die Art der Bestückung sowie die Testbarkeit definiert.

NPI bedeutet reif für die Serie

Die Auswahl standardisierter Komponenten oder Entscheidung für Vorzugslieferanten kann die Komplexität senken und die Volumen pro Bauelement erhöhen. Vorzugstypen oder die Bestimmung von adäquaten Ersatzbauteilen innerhalb eines Designs reduzieren sich nicht nur die Rüst- und Lagerkosten, sondern stellen die Verfügbarkeit des Produktes über dessen Lebenszyklus sicher.

Je früher der EMS als Spezialist für die Baugruppenfertigung in den Produktentwicklungsprozess involviert ist, umso besser ist das Design für den späteren Fertigungsprozess optimiert und umso schneller steht ein serienreifes Produkt zur Verfügung. Im idealen NPI-Prozess ist die Serie, wie der Prototyp und der NPI-Prozess, abgeschlossen, wenn das erste Volumenprodukt unter Serienbedingungen gefertigt ist

Die 5 Erfolgsfaktoren im EMS-Geschäft

Zusammengefasst lassen sich 5 Kriterien formulieren, die erfolgreiche EMS-Firmen gemeinsam haben:

* hochgradige Verknüpfung von Technik und Betriebswirtschaft d.h. technisch und wirtschaftlich sicher beherrschte Fertigungsprozesse mit IT-Unterstützung, Prozess- und Kostencontrolling sowie professionelles, umfassendes Risikomanagement;

* Beherrschung der logistischen Abläufe im Zusammenspiel mit Kunden und Lieferanten; hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bzgl. der Lieferanforderungen der Kunden; strategische Partnerschaften mit Distributoren auf logistischer und/oder technischer Ebene;

* hoch entwickelte Fähigkeiten in der Mitarbeiterführung mit Leistungsmessung und Leistungsanreizen sowie sehr gut ausgebildete Mitarbeiter;

* geschickte Marktpositionierung durch hohe Kompetenz in der Technologie-, Prozess- und/oder Produktentwicklung sowie alternativ durch gezieltes Verfolgen profitabler Nischen;

* Kundenorientierung und Aufnahme der zunehmend differenzierten Kundenbedürfnisse, systematische Kundenauswahl und Marktbearbeitung sowie ausgewogene Kundenstruktur

 

Written by