November 17, 2017

Die Leuchtturmprojekte in der EMS-Branche

Projekte, die herausragen und für die Branche beispielgebend sind, hatte der Fachverband FED als Kriterien für den E²MS-Award definiert. Neun Projekte haben es ins Finale des wertvollen Unternehmenspreises geschafft.

„Alle neun Projekte hatten das Potenzial zum Award-Gewinner“, resümiert Jury-Mitglied und Branchenkenner Michael Weinhold.
Die drei besten Projekte in der Kategorie Firmenkultur zeigten die Berliner Unternehmen alpha-board und CONTAG AG sowie die Firma Hannusch Industrieelektronik aus Laichingen auf der schwäbischen Alb, die sich im Fotofinish den Gruppensieg holte.

07_ems-award-firmenkultur-alpha-boardFuture Friday heißt das Projekt von alpha-board. Die Idee: die Mitarbeiter werden aktiv in die Gestaltung der Zukunft des Unternehmens einbezogen und haben die Möglichkeit, neue Dinge selbstbestimmt zu lernen, die ihnen für ihre Arbeit wichtig erscheinen. Die Freitage werden im 14-tägigen Wechsel genutzt für gemeinsame Workshops, die eigene Weiterbildung oder bevorzugt zum Abbau von Überstunden. In den Workshops erarbeiten die Mitarbeiter, wie das Unternehmen, die Abläufe und Zusammenarbeit verbessert werden können, um diese schrittweise umzusetzen.

08_ems-award-firmenkultur-contagMit dem strategischen Projekt CONvita, fördert CONTAG die Gesundheit, Ausgeglichenheit und Gemeinschaft seiner Mitarbeiter. Die Gesundheitsförderung stützt einerseits auf sportlicher Aktivität, andererseits auf gesunder Ernährung sowie auf Entspannungsmöglichkeiten. Der Gemeinschaftsgedanke wird mittels Grillfesten, Sport Events mit Beachvolleyball und Tischtennis oder gemeinsamen Ausflügen mit der ganzen Familie gepflegt. Flexible Arbeitszeitmodelle, ein Eltern- Kind Arbeitszimmer, fördern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

06_ems-award-firmenkultur-hannuschLeuchtturmcharakter hat das Engagement von Hannusch Industrieelektronik gegen den Fachkräftemangel. „Das proaktive Vorgehen ist gelebte Firmenkultur im Hause Hannusch“, so die Jury. Die Firma begeistert Schüler für Elektronikberufe, indem man schon Kinder und deren Lehrer in der Grundschule an die Elektronik heranführt und konsequent mit Praktika für ältere Schüler fortsetzt. Außerdem bildet Hannusch verstärkt Frauen ohne Berufsausbildung und fremden Berufen zu Fachkräften für die Elektronikfertigung aus.
Nachdem Versuche einen Lehrgang im Rahmen der Berufsbildung aufzubauen, an der Bürokratie scheiterten, nahm Hannusch das Heft selbst in die Hand. Mit den Partnerfirmen Kurtz Ersa, Zollner Elektronik und Rafi gründete man den Ausbildungsverbund Löttechnik Elektronik kurz: AVLE. AVLE hat für die Anforderungen in der Elektronikproduktion standardisierte modular aufgebaute Lötschulungen entwickelt, die allen interessierten Unternehmen offen stehen. In der Ausbildung lernen die Teilnehmer alle erforderlichen Fähigkeiten und müssen eine Prüfung absolvieren. Die erreichte Qualifikation zur Lötfachkraft wird in einem Lötführerschein bescheinigt. Der Lötführerschein ist nicht nur ein Ausbildungsnachweis für den Teilnehmer. Unternehmer und Arbeitgeber wissen, für welche Tätigkeiten der Mitarbeiter oder ein Bewerber qualifiziert ist.

In der Kategorie Prozessinnovation erreichten die höchste Punktzahl bei der Bewertung die Projekte von cms electronics aus Klagenfurt in Österreich, RAWE electronic aus Weiler im Allgäu sowie dem Gruppensieger GANTEC Technologie-Electronic  aus Ditzingen bei Stuttgart.

11_ems-award-prozess-cmsDas Projekt iTEP (Integrated Traceability Excellence Program) legt als strategisches Großprojekt bei cms electronics den Grundstein für eine echte Smart Factory. Ausgangspunkt für iTEP ist die ganzheitliche Datengewinnung. Gemeint ist eine nicht die klassische Rückverfolgung von verbauten Materialien, sondern eine standortübergreifende, prozess- und produktunabhängige Aufzeichnung von Material-, Prozess-, Logistik- und Qualitätsdaten. Aus diesen Daten werden Informationen und Entscheidungen für die Geschäftsprozesse abgeleitet.

12_ems-award-prozess-raweRAWE Electronic hat eine vollautomatische Anlage zur Produktion und Prüfung von kinematischen Walzenantrieben für Kfz-LED-Scheinwerfer entwickelt und aufgebaut. Die Produktion umfasst neben der SMD-Bestückung und Nutzentrennung die Montage und Prüfung der Baugruppe sowie des Motors mit Antriebsrad, Magnetsinterteilen und Kunststoffgehäuse. Das preisempfindliche Produkt wird vollautomatisch mit 1,2 Mio. Stück pro Jahr in Deutschland gefertigt.

 

 

10_ems-award-prozess-gantec-calculate-to-supply-system-c2s-systemGANTEC hat die Prozesse und Abläufe in der Preisrecherche und Angebotserstellung automatisiert. Der Nutzen: Transparenz bei der Baugruppenkalkulation und Einsparen wertvoller Zeit und Ressourcen für den strategischen Einkauf. Über die Kalkulationssoftware Smart Search ist GANTEC mit seinen Bauteilelieferanten vernetzt. Nach dem Hochladen der Stückliste liefert die Software in Echtzeit kundenspezifische Preise für die Bauteile direkt vom Distributor. Pro Bauteil werden Staffelpreise, Verfügbarkeiten, Lieferzeiten und Verpackungseinheiten ermittelt. Die Software entstand in Kooperation mit der Universität Karlsruhe sowie dem daraus hervorgegangen Startup-Unternehmen ETIT SYSTEMS, das vom Center für Innovation und Entrepreneurship der Universität Karlsruhe gefördert wird.

„In der EMS-Branche beschränken sich Prozessinnovationen oft auf die Fertigungstechnik. Die Preisabfrage und Kalkulation zu automatisieren ist folgerichtig und mitentscheidend für den Erfolg im EMS-Geschäft“, so die Jury. Die direkte Vernetzung mit dem Bauteillieferanten stärkt die Schlagkraft kleiner und mittelständischer Firmen und chon beim Angebot lassen sich genaue Fertigungspläne erstellen. Echtzeit-Daten zu Lieferzeiten und Bauteilepreisen bieten Vorteile: Hierdurch werden kurze Lieferzeiten erreicht; neue Aufträge lassen sich kurzfristig akquirieren und realisieren. Diese rückwärtige Integration der Lieferkette verkürzt die Angebotszyklen und ermöglicht eine genauere Lieferzusage abzugeben.

In der Kategorie Produktinnovation bekamen die höchste Punktzahl der Jury die Projekte der Firma elektron Systeme und Komponenten aus Weißenohe in Oberfranken, TQ Systems aus Seefeld bei München und der BMK Group aus Augsburg, die als Gruppensieger aus dem Wettbewerb hervorging.

16_ems-award-produkttq-m1-spitzing-mit-pin120-antriebTQ-Systems hat ein neuartiges mechatronisches Antriebssystem mit harmonischem Pinring-Getriebe für ein hohes Drehmoment entwickelt. Das Pin-Antriebssystem ist ein komplett integrierter Antrieb mit Ansteuerungselektronik auf kleinem Bauraum, Pinring-Getriebe, sensorlosem Antriebssystem inklusive Gehäuse, Drehmomentsensor, Freiläufe sowie einem Motor mit hoher Leistungsdichte. Das Getriebe wird als serienreifes Subsystem als Baustein angeboten. Einsatzgebiete sind E-Bikes, Elektroboote, Cargo-Anwendungen und die Industrie.

15_ems-award-produkt-elektron-ccx2Eine Weltneuheit, die in Teilen eine patentierte Technik nutzt, ist der automatische Bauteilzähler OC-SCAN CCX der Firma elektron Systeme und Komponenten. Der Rötgenscanner zählt Bauelemente im Gebinde. Über ein ZIM-Förderprojekt wurde die Eigenentwicklung mit dem Technologiepartner Fraunhofer EZRT gefördert. Der Bauteilezähler ist nicht nur im eigenen Haus in Betrieb. Das Gerät feiert als Eigenprodukt Markterfolge und für die Vermarktung wurde ein eigenes Vertriebsunternehmen gegründet.

 

 

14_ems-award-produkt-bmk-edx-geraetNachhaltige Ressourcenstrategie lautet das Projekt im Hause BMK. Hierbei werden kritische Rohstoffe identifiziert und Handlungsempfehlungen für eine ressourceneffiziente Produktion abgeleitet. Grundlage ist ein Leitfaden, erarbeitet vom Resource Lab der Universität Augsburg in Zusammenarbeit mit BMK und anderen Unternehmen und unterstützt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Anhand des Leitfadens lässt sich die aktuelle Produktionssituation hinsichtlich der Rohstoffabhängigkeit und kritischer Rohstoffe analysieren und Maßnahmen ableiten.

Ein bekanntes Beispiel sind die zurzeit weltweit begrenzten Vorräte der Technologiemetalle seltene Erden. Solche Abhängigkeiten werden im üblichen Produktdesign bisher nicht berücksichtigt. D.h. eine Analyse, welche Inhaltsstoffe in den Produktkomponenten enthalten sind, wie einerseits deren Beschaffungsrisiken und andererseits deren Umweltbelastung einzuschätzen sind und welche Alternativen bestehen, findet nicht statt. BMK habe sich, so der Wissenstand der Jury, erstmalig diesem Thema gewidmet.
Die Meinung der Jury: „Ein solcher Ansatz hat interne wie kundenseitige Aspekte. Es senkt eigene Verfügbarkeits- und Kostenrisiken in der Beschaffung und bietet eine im Wortsinne einzigartige Beratungsleistung. Es weist über eine rein operative Prozess- und Kostenoptimierung hinaus und ist ein Beispiel für unternehmerisches Denken in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung.“

E²MS-Award 2015 – die Finalisten und Gewinner v

 

 

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